Lesenswertes

Verbände haben oft nicht einen, sondern Hunderte von Pressesprechern!
- Ein Plädoyer für mehr Öffentlichkeitsarbeit vor allem nach innen -

Verbände können ihre Aufgaben nur wahrnehmen, wenn sie auch wahrgenommen werden. Manchen gelingt dies besser als anderen – oft unabhängig von der Größe des Verbandes oder der Bedeutung des Themas. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hat dabei eine wichtige Funktion. Sie wirkt nach innen und nach außen.

Der Verband wird „außen“ wahrgenommen, die Öffentlichkeit nimmt die Argumente des Verbandes zur Kenntnis, der Verband wird oder bleibt ein akzeptierter Gesprächspartner. Aber auch „innen“, d.h. bei Mitgliedern und Mitarbeitern, gibt es einen Effekt: Sie spüren, dass ihr Verband präsent ist, dass er etwas bewegen kann. Kurzum: Sie fühlen sich gut vertreten. Und ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil: Sie sehen eine Gegenleistung für ihren Mitgliedsbeitrag.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist aber weitaus mehr als nur das gelegentliche Veröffentlichen einer Pressemeldung. Sie bedeutet die Organisation von Kommunikation mit unterschiedlichen Zielgruppen innen und außen. Geplante Öffentlichkeitsarbeit soll nicht nur über die Positionen und Ziele des Verbandes informieren. Sie soll das Image des Verbandes stärken bzw. festigen. Sie soll Vertrauen schaffen in die Arbeit des Verbandes, denn: Nur wem man vertraut, dem nimmt man auch seine Argumente ab.

Die Einbeziehung von Mitgliedern ist gerade für Verbände von herausragender Bedeutung. Verbände haben Mitglieder, die – einmal überzeugt – vor Ort für die Interessen des Verbandes (und damit für ihre eigenen Interessen) eintreten können. Damit hat ein Verband nicht nur einen Pressesprecher, sondern möglicherweise Hunderte. Wer vor Ort lebt, in das örtliche Geschehen eingebunden ist, der ist in vielen Fällen auch glaubwürdiger als der eher unbekannte Vertreter des Verbandes aus der Landes- oder Bundeshauptstadt. Voraussetzung ist natürlich, dass die Mitglieder informiert sind, entsprechende Materialien und Anregungen auch für eigene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von ihrem Verband erhalten.

Ein Beispiel: Geht es um ein Gesetzesvorhaben, das die Mitglieder des Verbandes in ihren Berufsfreiheiten einschränkt, dann reicht es in vielen Fällen nicht aus, lediglich über das Vorhaben zu informieren und die Pressemitteilung des Dachverbandes an die Mitglieder zu verschicken. Mitglieder sollten mehr wissen: Welche Gründe führt der Gesetzgeber für sein Vorhaben an und welche Position nimmt der Verband dazu ein? Welche Fragen könnten Journalisten stellen und welche Antworten würde der Verband darauf geben? Hilfreich sind auch Musterpressemeldungen, in die nur noch die Namen eingegeben werden müssen oder Entwürfe für Briefe, die man an die örtlichen Bundes- oder Landtagsabgeordneten schicken kann.

Wer die eigenen Mitglieder in die Öffentlichkeitsarbeit einbindet, dem eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten, die öffentliche Wirkung des Verbandes zu erhöhen. Natürlich werden (leider) nie alle mitmachen, aber ein harter Kern von überzeugten Mitgliedern wird vielleicht auch andere zu mehr Engagement motivieren.

Übrigens: Die Alternative, der Öffentlichkeit überhaupt nichts zu sagen, stellt sich nur in der Theorie. Wer nichts sagt, über den wird trotzdem geschrieben. Keine Öffentlichkeitsarbeit ist auch eine Form von Öffentlichkeitsarbeit – allerdings sicher nicht für Verbände, die die Interessen ihrer Mitglieder engagiert auch nach außen vertreten wollen.

 

 

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