Lesenswertes
In der Theorie kennen fast alle Verbände die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit, aber in der Praxis?
Nach den offiziellen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement (DGVM) gibt es in Deutschland rund 14.000 Verbände (nicht zu verwechseln mit den fast 550.000 eingetragenen Vereinen). Rund 8.500 dieser Verbände werden hauptamtlich geführt.
Die meisten Verbände haben ihren Sitz an der „Rheinschiene“ von Düsseldorf bis zum Rhein/Main-Gebiet. Die Gründe dafür liegen zum einen in der Tradition (viele Verbände hatten und haben immer noch ihren Sitz im Raum Köln/Bonn). Zum anderen sind auch die Landeshauptstädte Düsseldorf, Mainz und Wiesbaden immer noch wichtige Verbandsstandorte.
Die 14.000 Verbände teilen sich laut DGVM in folgende Handlungsfelder auf:
- Arbeit und Wirtschaft (rund 7.600 Verbände)
- Gesellschaft und Politik (rund 1.800 Verbände)
- Freizeit und Kultur (rund 1.000 Verbände)
- Bildung und Wissenschaft (rund 1.300 Verbände)
- Gesundheit und Soziales (rund 2.300 Verbände)
Auch wenn die Zahlen der DGVM aus dem Jahre 2004 stammen, ist davon auszugehen, dass sie im Wesentlichen unverändert geblieben sind.
Die Geschäftsstellen vieler Verbände sind in den meisten Fällen nur mit wenigen hauptamtlichen Kräften besetzt. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit findet entweder nicht oder nur „nebenbei“ statt: Sie wird von einem Mitglied des Vorstandes oder vom Geschäftsführer – in vielen Fällen ohne entsprechende Vorkenntnisse – betreut. Die Einstellung von hauptamtlichen Mitarbeitern für diesen Bereich scheitert zum einen an den fehlenden finanziellen Möglichkeiten, zum anderen auch daran, dass die Aufgaben keine volle Arbeitskraft binden.
Nach den Ergebnissen der Verbändeumfrage 2005 der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität München halten aber inzwischen mehr als 80% der Verbände erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit für eine sehr große bzw. große Herausforderung. Bei der letzten Verbandsstudie 1996/1997 lag dieser Wert nur bei knapp 60 Prozent. Die Information der Mitglieder gilt mit fast 99 Prozent als sehr wichtig bzw. wichtig für die Zufriedenheit der Mitglieder. Es überrascht angesichts dieser Werte allerdings, dass für knapp 40% der Verbände ihr eigenes Image keinen wesentlichen Erfolgsfaktor darstellt.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Verbandsbarometer 2005 der 2k Verbandsberatung (veröffentlicht im Verbändereport vom 10.02.2006): „Die Bedeutung von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit wird von gut 76 Prozent der befragten Verbände als „groß“ und von 20 Prozent als „mittel“ angegeben. Damit ist dies eines der zentralen Themen des Verbandsmanagements.“
Dieser – realistischen – Einschätzung der Funktionen von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit entspricht allerdings die Praxis nur in den wenigsten Fällen. Gerade kleinen und mittleren Verbänden kann bei ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eine kleine, auf Verbandskommunikation spezialisierte Agentur helfen. Dabei geht es nicht um „große“ Etats, sondern um eine kontinuierliche Beratung, wie auch mit geringen finanziellen Mitteln ein Verband in der Öffentlichkeit auftreten kann.
Übrigens: Die Alternative, der Öffentlichkeit überhaupt nichts zu sagen, stellt sich nur in der Theorie. Wer nichts sagt, über den wird trotzdem geschrieben. Keine Öffentlichkeitsarbeit ist auch eine Form von Öffentlichkeitsarbeit – allerdings sicher nicht für Verbände, die die Interessen ihrer Mitglieder engagiert auch nach außen vertreten wollen.